„Worte, die bewegen. Orte, die bleiben.“

Momentaufnahmen meiner Reisen

Nilkreuzfahrt & Badeurlaub Teil 1

Ende August in Ägypten. Die Sonne brennt, 46 Grad, die Luft steht still – aber irgendwie passt es. Die Hitze gehört dazu wie der Sand zu den Tempeln. Der Nil fließt ruhig, gleichmäßig, als hätte er alle Zeit der Welt. Und auf dem Schiff: Wind im Gesicht, Schatten unter Segeln, kalte Getränke und Gespräche zwischen Sonnenauf- und -untergang.

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Reisezeitraum: Mitte August 2023 – 15 Tage

Morgens auf dem Deck

Fast jeder Tag beginnt früh. Licht schleicht über den Fluss, der Kaffee ist heiß, der Fahrtwind kühl. Und dann: Tempel, Geschichten, Götter. Jeder Halt ein Kapitel aus einer anderen Welt. 8 Tage auf dem Nil, immer anders, jeden Tag ein neues Ziel.

Die Tempel am Nil – Zeitreise aus Stein

Karnak: Eine Stadt aus Säulen – gewaltig, ehrfürchtig, majestätisch.

Luxor: Lebendig, leuchtend, voller Symbole zwischen Obelisken und Palmen.

Edfu: Der Falkengott Horus wacht im Dunkel des kühlsten Tempels am Nil.

Kom Ombo: Zwei Götter, zwei Hälften, ein Blick über den Fluss.

Philae: Die Insel der Göttin Isis – zart, kunstvoll, fast wie ein Gebet aus Stein.

Und dann – noch ein letzter, großer Moment.

Karnak-Tempel – Das steinerne Weltwunder

Karnak ist kein einzelner Tempel – es ist eine Stadt aus Stein, riesig, verwinkelt, ehrfurchtgebietend. Über 100 Säulen in der Großen Säulenhalle, jede so hoch wie ein Haus. Man geht zwischen ihnen hindurch wie durch einen steinernen Wald. Die Hitze flimmert über den Sand, aber im Schatten der Säulen ist es still und kühl wie in einer Kathedrale.

Die Hieroglyphen sind tief in Stein gemeißelt – Geschichten von Göttern, Kriegen, Opfern und Macht. Man verliert sich darin. Und man spürt: Wer hier stand, wollte für die Ewigkeit bauen.

Luxor-Tempel – Der Sonnenuntergang gehört den Göttern

Der Luxor-Tempel liegt mitten in der Stadt – er ist offen, zugänglich, fast lebendig. Und doch wirkt er wie ein Ritualplatz. Bei Sonnenuntergang färbt sich der Sand warmrot, die Statuen von Ramses II. leuchten golden. Zwischen Obelisken, Kolonnaden und Palmen geht man wie durch einen Traum. Hier verband sich einst die Welt der Menschen mit der der Götter.

Edfu – Der Falkengott wacht über uns

Mit der Kutsche durch Edfu – ein Erlebnis für sich. Die Straßen voller Leben, hupende Tuk-Tuks, Händler, die Wasserflaschen reichen. Und dann taucht er auf: der Horus-Tempel, groß, perfekt erhalten, voller Klarheit.

Innen herrscht eine fast mystische Ruhe. Man sieht den Horus-Falken in Stein, imposant, stolz. Der Tempel wirkt wie ein heiliger Raum, dunkel, geheimnisvoll – fast kühl trotz der Hitze. Wer genau hinhört, meint vielleicht sogar ein altes Echo zu vernehmen.

Kom Ombo – Zwei Götter, ein Ort

Der Tempel von Kom Ombo liegt direkt am Wasser. Er ist symmetrisch, geteilt: links der Falkengott Horus, rechts der Krokodilgott Sobek. Die Sonne steht hoch, der Sand ist heiß – aber die Steine erzählen.

In einem kleinen Museum gleich daneben: Mumifizierte Krokodile, stumm, uralt, faszinierend. Kom Ombo ist kleiner als Karnak, aber intensiver – vor allem in der Dämmerung, wenn das Licht die Säulen orange färbt.

Die Säulen sind reich verziert, die Reliefs feiner als anderswo. Isis war die Göttin der Liebe, der Heilung, des Schutzes – und irgendwie liegt all das hier in der Luft. Vielleicht ist es Einbildung. Vielleicht auch nicht.

Der Ursprung der Obelisken – Besuch im Steinbruch von Assuan

Wer verstehen möchte, wie beeindruckend die Obelisken des Alten Ägyptens wirklich sind, sollte sich nicht nur anschauen, wo sie heute stehen, sondern auch, wo sie einst entstanden sind.

Der wichtigste Herstellungsort für Obelisken war der Granitsteinbruch von Assuan, ganz im Süden Ägyptens. Von hier stammt der berühmte rosafarbene Granit, aus dem fast alle großen Obelisken gefertigt wurden – darunter auch jene von Hatschepsut oder Thutmosis III.

Besonders beeindruckend ist der sogenannte Unvollendete Obelisk, der noch heute liegend im Stein im Steinbruch von Assuan zu sehen ist. Er sollte über 40 Meter hoch werden und wäre mit einem geschätzten Gewicht von rund 1.200 Tonnen der größte jemals hergestellte Obelisk der Welt gewesen. Doch ein Riss im Gestein stoppte die Fertigstellung – und so blieb er zurück, wie eingefroren in der Zeit.

Gerade weil er nie herausgelöst wurde, ist der Unvollendete Obelisk ein faszinierendes Zeugnis altägyptischer Steinmetzkunst. Hier sieht man genau, wie Obelisken damals gefertigt wurden:

  • Die Arbeiter bearbeiteten den Fels mit harten Dolerit-Hämmern.
  • Mit unglaublicher Präzision wurde der Block aus dem umgebenden Gestein freigelegt.
  • Schließlich sollte er von unten abgetrennt werden – vermutlich mithilfe von Holzkeilen, die mit Wasser zum Quellen gebracht wurden, um Druck zu erzeugen.

Wie der Transport solch riesiger Monumente gelang, ist bis heute ein Wunder der antiken Technik. Die Obelisken wurden auf Schlitten über Rampen gezogen, dann über den Nil verschifft – oft über hunderte Kilometer bis nach Luxor, Karnak oder Kairo.

Wenn man dort im Steinbruch steht, zwischen Felswänden und Granitblöcken, bekommt man eine ganz neue Ehrfurcht für die Leistung der Menschen, die vor über 3.000 Jahren mit einfachsten Mitteln Werke für die Ewigkeit schufen.

Abu Simbel – Der Tempel der Sonne

Man steht früh auf, mitten in der Nacht. Noch vor Sonnenaufgang. Die Fahrt durch die Wüste von Assuan nach Abu Simbel ist lang – fast surreal. Der Bus schneidet durch Dunkelheit und Sand, und langsam färbt sich der Horizont in blasses Rosa.

Dann, plötzlich: Vier kolossale Statuen, jede über 20 Meter hoch. Ramses II., in Stein gemeißelt, schaut über den Nassersee. Der Anblick verschlägt einem die Sprache. Abu Simbel ist nicht nur ein Tempel – es ist ein Monument menschlicher Vorstellungskraft. Und noch mehr: ein Meisterwerk der Technik. In den 1960er-Jahren wurde der gesamte Tempel versetzt, Block für Block, um ihn vor dem steigenden Wasser des Stausees zu retten.

Innen ist es kühl, still, mystisch. Reliefs, Götter, Szenen von Krieg und Ehre. Und das Licht – es fällt nur an bestimmten Tagen bis ins Heiligtum. Die Präzision ist unbegreiflich.

Abu Simbel ist ein Höhepunkt. Nicht nur geografisch – auch emotional.


Der Zauber von Theben West – ein Tag im Tal der Könige

Wenn man in Ägypten unterwegs ist, gibt es Orte, die auf eine ganz besondere Weise Ehrfurcht auslösen. Einer davon ist ohne Zweifel das Tal der Könige – jener abgeschiedene Wüstenort westlich des Nils bei Luxor, an dem über 60 Pharaonen des Neuen Reiches ihre letzte Ruhestätte fanden.

Schon die Anfahrt über das kahle, sandige Gebirge ist beeindruckend. Die Landschaft wirkt archaisch und fast zeitlos – eine trockene Schlucht, in der sich Geschichte, Mythos und Archäologie auf engstem Raum verdichten.

Das Tal wurde im Neuen Reich (ca. 1550–1070 v. Chr.) als königliche Nekropole genutzt, um die Gräber vor Grabräubern zu schützen – mit mehr oder weniger Erfolg. Die spektakulären Wandmalereien in den Grabkammern zeigen Szenen aus dem Jenseits, den Sonnenzyklus, Schutzgötter und die königliche Reise zur Wiedergeburt.

Bei unserem Besuch konnten wir drei Gräber besichtigen – je nach Ticketwahl kann man unterschiedliche Kombinationen sehen. 

Die Gräber – Fenster in eine unterirdische Welt

KV47 – Grab des Pharaos Siptah

Das Grab KV47 gehört zu Siptah, einem eher kurz regierenden Pharao der 19. Dynastie. Dieses Grab ist bemerkenswert wegen seiner dekorativen Wandmalereien, die Szenen aus der ägyptischen Mythologie und Jenseitsvorstellungen zeigen. Besonders auffällig sind Darstellungen von Schutzgöttern und der Reise des Königs durch die Unterwelt. Die Grabkammer selbst ist relativ klein, aber gut erhalten, was einen eindrucksvollen Einblick in die Bestattungstraditionen jener Zeit ermöglicht.

KV16 – Grab des Pharaos Ramses I.

Das Grab KV16 ist das Begräbnis des kurzen Regierungszeit von Ramses I., dem Begründer der 19. Dynastie. Obwohl er nur etwa ein Jahr regierte, ist das Grab kunstvoll gestaltet. Die Wände zeigen farbenprächtige Szenen aus dem „Buch der Tore“, einem altägyptischen Totentext, der die Reise des Verstorbenen durch die Nacht und die verschiedenen Tore der Unterwelt beschreibt. Der Gang führt zu einer großen Grabkammer, deren Wände mit Reliefs und Hieroglyphen verziert sind. KV16 ist relativ eng und kurz, was auf die kurze Regierungszeit zurückzuführen ist, aber künstlerisch sehr wertvoll.

KV6 – Grab des Pharaos Ramses IX.

Das Grab KV6 wurde für Ramses IX. errichtet, einen der letzten bedeutenden Pharaonen der 20. Dynastie. Es ist eines der größten und aufwendigsten Gräber im Tal der Könige. Die langen Gänge und mehrere Grabkammern sind mit detailreichen Wandmalereien geschmückt, die Szenen aus dem „Buch der Erde“ und anderen religiösen Texten zeigen. Besonders beeindruckend sind die lebendigen Farben und die Erhaltung der Hieroglyphen, die den Totenkult und den Glauben an die Wiedergeburt dokumentieren.

Persönlicher Eindruck

Das Betreten dieser Gräber war für mich ein besonderer Moment – die Details der Wandmalereien und die Symbolik der dargestellten Szenen erzählten von einer Welt, die uns heute fremd und doch faszinierend erscheint. Trotz der Jahrtausende, die seit der Nutzung vergangen sind, spürt man die Bedeutung dieser Orte als letzte Ruhestätten und Heiligtümer der Pharaonen.

Fazit

Der Besuch der Gräber KV47, KV16 und KV6 bietet einen vielfältigen Einblick in die Kunst, Religion und Geschichte des alten Ägypten. Jedes Grab erzählt seine eigene Geschichte – von kurzen Herrschaftszeiten bis hin zu großen Dynastien – und lässt die Besucher in die Welt der Pharaonen eintauchen. Für jeden Ägyptenreisenden sind diese Gräber ein absolutes Muss.

Tempel der Hatschepsut – Eine Königin schreibt Geschichte

Nur wenige Orte in Ägypten haben mich so nachhaltig beeindruckt wie der Tempel der Hatschepsut in Deir el-Bahari, nahe Luxor. Eingebettet in eine steile Felswand wirkt dieser Tempel fast surreal – mit seiner klaren, offenen Bauweise und der perfekten Symmetrie.

Hatschepsut war eine der wenigen Frauen, die den Titel Pharao trugen – und das selbstbewusst. Ihr Totentempel ist Ausdruck ihrer Macht und ein politisches wie architektonisches Meisterwerk.

Der Bau besteht aus drei weitläufigen Terrassen, verbunden durch breite Rampen, die sich harmonisch in die Landschaft einfügen. Besonders beeindruckend fand ich die farbigen Reliefs im Inneren: Szenen ihrer „göttlichen Geburt“, die ihre Herrschaft legitimieren sollen, sowie die berühmte Expedition ins ferne Punt, die den wirtschaftlichen Weitblick dieser Frau belegt.

Trotz der vielen Besucher herrschte oben auf der letzten Terrasse eine fast stille Atmosphäre. Der Wind, die Felsen im Rücken, der Blick ins weite Tal – all das verlieh dem Ort etwas Erhabenes.

Für mich war dieser Besuch eines der Highlights meiner Reise – nicht nur wegen der Baukunst, sondern auch wegen der Geschichte einer Frau, die sich gegen jede Erwartung behauptet hat.

Rückkehr auf den Nil

Zurück an Bord – der Tag klingt aus. Die Sonne sinkt, das Wasser glänzt. Vielleicht ein Glas kalten Hibiskustee, vielleicht einfach nur Stille. Und dann spürt man: Diese Reise verändert etwas. Man sieht anders, fühlt tiefer, staunt mehr.

Eine Nilkreuzfahrt im Hochsommer ist fordernd – aber unvergesslich. Die Sonne brennt, der Fluss beruhigt, die Tempel beeindrucken. Und am Ende bleibt ein Gefühl:

Man war nicht einfach nur unterwegs – man war auf einer Reise durch Zeit, Mythos und Magie.

Nach der Kreuzfahrt kommt der Badeurlaub

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